Die Streikposten rollen davon: Der Konflikt ist beendet

Der lange Abschied von Infineon

Die Trennung von Infineon war für die meisten Kollegen ein Prozess, der sich über lange Zeit hinzog und teilweise, zumindest gefühlsmäßig, immer noch andauert. Von der ersten Bekanntgabe der Schließungsplanung der Perlacher Chipfertigung bis zum tatsächlichen Vollzug vergingen mehr als 2 Jahre.

So ein langer Zeitraum ist auf der einen Seite eine Chance: Man kann sich darauf einstellen und hat Zeit für die Stellensuche. Mancher überlegt sich auch Alternativen: Was war schon immer ein Traum und wurde aus Bequemlichkeit oder mangelnden Mitteln nie verwirklicht? Sei es die Eröffnung eines kleinen Cafés, eine längerfristige Weiterbildung oder der Drang ins Ausland bzw. in die ferne Heimat – viele Möglichkeiten und Wege wurden erwogen und wieder verworfen. Bis eine Entscheidung getroffen werden kann, gibt es Vieles zu bedenken. Jeder und jede hat dabei sein eigenes Tempo. Auf der anderen Seite ist eine Spanne von 2 Jahren auch eine Belastung: Die Arbeit geht ja erstmal weiter. Und ständig tickt dabei eine unsichtbare Uhr mit einem von der Infineon-Leitung festgelegten Endzeitpunkt. Die Perlacher Kolleginnen und Kollegen haben in dieser Zeit hohe Professionalität bewiesen. Die mit der Unterzeichnung eines Arbeitsvertrags (meist noch zu Siemens-Zeiten) geforderte Loyalität wurde auch in dieser schwierigen Phase vom Großteil der Mitarbeiter eingehalten. Bis zum Schluss hat jeder an seinem Platz seinen Job gemacht, und das oft unter großem Druck. Viele der Kollegen aus den Bürobereichen mussten sogar ihren eigenen Arbeitsplatz abbauen, d. h. die Akten archivieren oder entsorgen, alle die Dinge, die sich über Jahre in den Büros angesammelt haben verpacken oder wegwerfen, Kisten schleppen, PCs entrümpeln. Da floss schon die eine oder andere Träne und eine Kollegin bemerkte in dieser hektischen Atmosphäre: „Das ist, wie wenn du deinen eigenen Sarg zimmerst!“

Zur Erinnerung ein kurzer historischer Verlauf vom Streik im Oktober 2005 bis zur Transfergesellschaft:

  • November 2005: Tarifabschluss
  • Dezember 2005: Abschluss Sozialplan und Interessenausgleich
  • Bis April 2006: Suche nach der besten Transfergesellschaft

Betriebsleitung und Betriebsrat beauftragen übereinstimmend die GeDiS mit der Durchführung der zwischen ihnen vereinbarten Transfermaßnahmen

  • Mai 2006: Infoveranstaltungen für alle Mitarbeiter mit Vorstellung der Transfergesellschaft
  • Juli 2006: Kündigung der Mitarbeiter
  • August 2006: Beginn der GeDiS-Beratungsgespräche
  • September 2006: Beginn der Workshops und Weiterbildungsmaßnahmen
  • Januar 2007: Letzte Einschleusung in der Fertigung
  • März 2007: Freiwillige Freistellung der Fertigungsmitarbeiter
  • April 2007: Beginn der Transfergesellschaft

Bis Anfang April 2007 haben sich 511 Mitarbeiter für die Transfergesellschaft entschieden.

Fuss

Impulse

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